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Einleitung |
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"Sommer und Saale" waren in Jena lange Zeit untrennbar verknüpft durch das Baden im FlussFluß. Ob "bei Lichtenhain" im hochmodernen Stadtbad oder "auch sonst an verbotener Stelle" versprach das Baden im Fluß "Rettung ... in der kühlenden Flut" - so jedenfalls sah es der Autor des Gedichtes "Sommer und Saale" im Jahre 1931. Dabei mußte er allerdings anmerken, daß das Baden mitunter ein "gar eigener Genuß" sei, schwammen doch "in den öligen Fluten ... zu viele Stoffe der heut'gen Kultur!".
Das Flußbaden hat das sommerliche Jena lange Zeit geprägt. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts war das Baden in der Saale den Jenaern eine "Art von Bedürfnis" geworden. Zwar scheiterten erste, ambitionierte Versuche der Jenaer Universität zur Errichtung einer Badeanstalt. Von städtischer Seite wurden aber bald sichere Badeplätze ausgewiesen, die allmählich auch Konkurrenz durch private Initiativen erhielten. Nicht allein die Sicherheit der Badenden, sondern auch die Einhaltung und Überwachung der Sittlichkeit waren für die Universität Grund, die Bemühungen um eine Badeanstalt zu forcieren. 1842 richtete die Universität schließlich die Akademische Badeanstalt ein, in der nun auch das Schwimmen unterrichtet wurde.
Mit der verspäteten Industriellen Revolution wandelte sich seit den 1880er Jahren nicht nur die Stadt, sondern auch die Flußbäderlandschaft. Im Zuge der entstehenden kommunalen Leistungsverwaltung wurden die Bäder kommunalisiert und modernisiert. Die Bäder wurden zum festen Bestandteil einer sommerlichen Alltags- und Freizeitkultur. Vor dem ersten Weltkrieg gerieten die Jenaer Flußbäder in eine Krise: zum einen bereitete die zunehmende Flußverschmutzung Probleme, zum anderen konnte die Kapazität der Bäder mit der wachsenden Bevölkerung nicht mehr Schritt halten.
Das Kapazitätsproblem konnte die Stadt erst mit der Neueröffnung des Stadtbades (Lichtenhainer Bad) 1929 lösen. Das "Lichtenhainer" war nunmehr eine hochmoderne und für 3000 Besucher ausgelegte Freizeiteinrichtung für die ganze Familie geworden. Die Abkühlung des Saalewassers durch den Bau der Talsperren und das ungelöste Problem der Flußverschmutzung führten bereits Ende der 1930er Jahre zur Schließung mehrerer Bäder. Das endgültige Aus für das Baden im Fluß kam jedoch erst 1954.
Mit diesem Band wird erstmals eine umfassende Untersuchung der verschiedenen Aspekte der Geschichte von Flußbädern vom 18. bis ins 20. Jahrhundert vorgelegt.
Die ersten drei Artikel liefern einen Überblick über die lange Geschichte der Jenaer Flußbäder. Dabei ist das Thema keinesfalls nur ein randständiges Kapitel Lokalgeschichte. Stattdessen unterstreichen die Ergebnisse der Untersuchungen die herausgehobene Stellung der Flußbadeanstalten für die Stadt und ihre Einwohner. Anhand der Beiträge können zudem wesentliche Grundzüge der Stadtgeschichte nachvollzogen werden.
Der vierte Aufsatz soll zudem einen Beitrag zur Erforschung der Umweltgeschichte der Stadt leisten. Zum einen wird dabei der grundsätzliche Übergang von der Stadtreinigungs- zur Flußverschmutzungsfrage am Jenaer Beispiel konkretisiert und im Detail untersetzt. Zum anderen wird die kommunale Hochwasserschutzpolitik seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert am Jenaer Beispiel beschrieben.
Ergänzt wurden die ausgewerteten Schriftquellen durch zahlreiche Aussagen von Zeitzeugen und die systematische Erfassung und Auswertung ihrer Erinnerungen. Ein Ausschnitt aus Fragebögen und Zeitzeugeninterviews ist im Anhang ediert.
Ausstellung und Begleitband sind das Resultat längerer Diskussionen über Konzeptionen zu einer medienbezogene Umweltgeschichte am Beispiel der Saale. Im Hintergrund stand der Bedeutungsverlust der Saale für die Stadt Jena seit Ende des 19. Jahrhunderts. Deutlich wird dies u.a. auch an der Geschichte der Flußbäder. Ein Zeitzeugenaufruf im Jahr 2000 unter dem Motto "Wer hat noch in der Saale gebadet?" brachte zudem eine unerwartet große Resonanz. Dadurch verlagerte sich der Schwerpunkt unsrer Arbeit auf die Erforschung der Geschichte der Flußbäder. Das Thema bot die Chance, Umweltgeschichte stärker mit kultur- sozial und alltagsgeschichtlicher Forschung zu verknüpfen. Dies entspricht dem Ziel, Umweltgeschichte nicht als isolierte Einzeldisziplin zu betreiben, sondern stärker in die allgemeine Geschichtsschreibung zu integrieren.
Letztlich hoffen wir, daß der vorliegende Katalog und die Ausstellung zur Geschichte der Flußbäder neues Interesse für die umwelthistorische Forschung wecken und helfen, die Umweltgeschichte als Teil der Stadtgeschichte zu etablieren.
Unseren Sponsoren, den Stadtwerken Jena-Pößneck, der Sparkasse Jena / Saale-Holzland und der Leistungselektronik Jena GmbH möchten wir an dieser Stelle herzlich danken. Gleichzeitig bedanken wir uns bei Frau Hellmann vom Stadtmuseum Jena, Frau Mann und Herrn Glaw vom Stadtarchiv Jena, Frau Hartleb vom Universitätsarchiv sowie Frau Gertrud Strack und den anderen Zeitzeugen für viele wertvollen Hinweise und Yvonne Rogoll und Stefanie Rüllich für die maßgebliche Unterstützung!
Die Herausgeber