Tal des Todes

Manch einem wird das Gebiet der oberen Saale auch noch als "Tal des Todes" bekannt sein, doch nur wenige kennen seine Geschichte und deren Ausmaße. Heinz Büttner, ein Mann der das Geschehen am eigenen Leibe hautnah miterlebt hat, erinnert sich: "Ich sehe die Bilder noch genau vor Augen, als in der Zeit von 1976/77 die Katastrophe ihren Lauf nahm." Er erläutert uns das Geheimnis, ob des gespenstischen Beinamens des Gebietes, das "Tal des Todes". "Bedingt durch die Rekonstruktion der Pumpspeicheranlage Bleiloch musste der Stausee um rund 15 Meter abgesänkt werden. Hinzu kam, dass die Zuflüsse in dieser Zeit sehr gering waren. Nach hoher Vorbelastung aus den Jahren 1973/74 erreichte die Konzentration von Schwefelwasserstoffen die Grenze der lebensgefährlichen Dosis." (Schleizer Nachrichten, 1.6.91) Des Weiteren teilte Herr Büttner mit, dass die Spitzenwerte mit den vorhandenen Messgeräten nicht exakt ermittelt werden konnten. Auch seine Hinweise über die sich mehr und mehr zuspitzende Situation blieb bei der damaligen Betriebsleitung in Hohenwarte ohne Wirkung. Dennoch wurde der Zusammenschluss einer Katastrophenkommission beschlossen, interessant war bloß, wie diese zustande kam. Es war an einem schönen Tag, als ein Arbeiter in Jänschwalde beim Abziehen von Asche einer derartigen Schwefelwasserstoffkonzentration ausgesetzt wurde, dass er im Aschekeller zu Tode kam. Etwa einen Tag später meldete sich zufällig ein Maschinist aus Burgkhammern telefonisch bei Herrn Büttner. Sein Anliegen: unerträglicher Gestank und eingetretene Augenschmerzen bei der Arbeit. Daraufhin begab sich Herr Büttner an Ort und Stelle um einige Messungen vorzunehmen. Diese fielen derart schockierend aus, dass er den Arbeiter unverzüglich aus dem Gebiet schickte. Anschließend meldete er dies dem Kreishygienearzt in Schleiz: "In Burgkhammern sind so hohe Konzentrationen... Soll es erst einen Toten geben wie in Jänschwalde?" Über Umwegen gelang diese Nachricht letztendlich nach Berlin ins Gesundheitsministerium, wo diese allerdings etwas anders verstanden wurde: " In Burgkhammern sind sehr hohe Konzentrationen… Es gab bereits einen toten Mensch im Walde!" Dank dieses Missverständnisses wurde die Situation an der Saale endlich ernst genommen. Zu den Folgen zählte eine geringere Abgabe des Pumpspeicherwerks um die Schwefelwasserstoffwerte niedrig zu halten; des weiteren wurden die Arbeitszeiten der Monteure reduziert auf teilweise drei Stunden pro Tag.
Saskia & Dorothea
Quellen: Schleizer Nachrichten, 1.6.91: Umweltbericht 92