Just Bergner
Frühere Badefreuden in der Saale
"Die Badeanstalt zwischen der Stadt und
der Rasenmühle wird morgen, den 8. Juni
zum gebrauch wieder hergestellt sein.
Da solche besonders dazu dienen soll,
Gefahr von den Badenden ein, sich dieser
Vorrichtung zu bedienen um sich außer
Gefahr zu wissen."
So lautet die Bekanntmachung, die der
Oberst von Händrich am 7. Juni 1811
verkündete. "wieder hergestellt" (daraus ergibt sich mit Sicherheit, daß es schon
vorher zwischen der Stadt und der Rasenmühleninsel ein öffentliches Bad gab.
Die Badestelle im Rasenmühlenarm der Saale um 1800 bestand noch in den ersten beiden
Jahrzehnten unseres Jahrhunderts und wurde von Mami Sachse und Bademeister Frosch
betrieben. Das Baden in der Saale vor 200 Jahren war ständig von polizeilichen
Befehlen und Maßnahmen begleitet. Am 28. Juni 1819 wurde bekant gegeben "danach
bedingter Scheidflöße der vormals zum Baden angewiesen Platz am Eisrechen
(gegenüber der ehemaligen Firma Schietrumpf) mit Pfählen versehen und zu diesem
gebrauche wieder gehörig eingerichtet ist, so wird solches zur öffentlichen
Kenntnis gebracht, den hiesigen Knaben aber das Baden in der Mühllache unterm Eisrechen gestattet."
Die Unzuträglichkeit hörte nicht auf. Am 21. Mai 1822 sah sich die Polizei
genötigt darauf hinzuweisen, daß "die so häufig vorkommenden Unanständigkeit,
in und an der Mühlenlache so nah an der öffentlichen Straße nackt sich badende
Menschen herumlaufen, dem ganz hiesigen Publikum auffallend und lästig" sei, und "dem
Fremden einen Begriff von großer Unsittlichkeit und Schandlosigkeit der hiesigen
Inwohner geben" müsse. So wurde das Baden in der Mühllache bei viertägige
Gefängnisstrafe untersagt, und jeder Zuwiderhandelnde hat außerdem noch ein
Kopfstück Geldstrafe zu zahlen. Die Jenenser verhielten sich damals äußerst
störrisch. So musste die Polizei am 1. August 1826 verbieten, daß innerhalb der
abgesteckten Badeplätze Pferde abgeschwemmt werden... Wer es dennoch tat, hatte einen
halben Gulden strafe zu zahlen. Im Jahre 1834 wurde die "Flussbadeanstalt" unter Aufsicht von Frau Kindler erst
am 9. August eröffnet. "Die Badelustigen hatten sich beim Pedel Lindner in der
Leutrastrasse zu erkundigen, welche Stunden noch unbesetzt seien, und Karten zu lösen,
damit ihnen das Badehaus geöffnet werde." Im Jahre 1842 meldete eine Frau Marezoll,
das sie eine Flussbadeanstalt eröffnet habe. Der Anzeige ist leider nicht zu entnehmen,
wo sich diese befand und auch nicht, unter welchen Bedingungen man sie benutzen konnte.
Sicher ist aber, daß man schon früher die Möglichkeiten suchte und auch fand in
den Fluten der Saale ein erfrischendes Bad zu nehmen. An der Lache am Rähmen und an
der Lachenbrücke war das Baden recht bald vorbei. So wußten besagte Einwohner
zu berichten, das, wer sich verleiten lies hier ein Bad zu nehmen, dem konnte es passieren,
dass ihm die Innereien vom Schlachthof zwischen den Fingern durchglitten, oder sich um den
Körper wickelten und unter den Armen durchschwammen. Es geschah oft, daß der
Schlachthof die Lache zur "Entsorgung" benutzte. Am 7. Februar 1938 Floß die Lache
zum letzen male. In unserem Jahrhundert hatten die Jenenser und Ihre Gäste die
Möglichkeit, an unterschiedlichen Stellen in der Saale zu baden. So gab es ein Bad
am Gries, am Eisrechenwehr (ungefähr dort wo heute die neue Paradiesbrücke
verläuft) und das Lichtenhainer Stadtbad, kurz vor dem Schleichersee gelegen. Dem
Stadtbad war ein großes Nichtschwimmerbecken und drumherumm eine schöne
Liegewiese, sowie Umkleidekabinen und Duschen zugeordnet. Eine recht ordentliche
Gastronomie rundete das Ganze angenehm ab. Zuletzt gab es auch durch eine
Pontonbrücke Verbindung zum beliebten, und wegen seiner wärmeren
Wassertemperatur bevorzugten, Schleichersee. Die Bäder in der Saale mußten
wegen der starken Verunreinigung des Flusses durch Abwässer im Stadt- und Landkreis
Jena im Jahre 1954 gesperrt werden. Dafür stand das Sommerbad am Jenzig zur
Verfügung. In den 50er Jahren erwägte man ein Bad bei Kunitz und ein Freibad
neben der Weidigsmühle unter Ausnutzung der Leutra zu schaffen.