"... Das Saalebad neben der Paradiesbrücke entsprach schon lange nicht mehr einer Stadt wie der Zeiß- und Universitäts-Stadt Jena: zu klein, vor allem zu primitiv! Man hatte schon am Burgauer Weg gegenüber der Mühlenstraße durch den Bau einer Auskleidehalle den Kern zu einem zweiten Bad geschaffen; aber das war auch nur halber Kram: Männer und Frauen in der selben Halle! Aber zwischen ihr und der Saale lag eine große Tummelwiese mit alten Bäumen am Ufer. Daraus sollte ich nun was Endgültiges machen.
Die vorhandene Halle war konstruktiv, architektonisch und betrieblich recht gut und flach gedeckt. So setzte ich das Gegebene gern fort, gab der vorhandenen Halle in gleicher Flucht, aber gehöriger Entfernung ein Pendant und setzte dazwischen ein Häuschen, das im Erdgeschoß dem Dienst des Bademeisters diente und im ersten Stock seine Wohnung enthielt.
Nach Inbetriebnahme dieses Bades wurde das an der Paradies-Brücke nicht mehr aufgebaut. Nach der Straßenseite hin ließ ich in Terrakotta auftragen: "Stdt. Bad". Ohne mein Wissen machte der Steinmetz "Stadt-Bad" daraus, wohl aus Versehen; und so verdankt das Bad seinen Namen diesem Zufall.

aus: Walter Wackwitz (1894-1976), "Mein Lebensweg". 1927 (Beginn in Jena) bis Ende 1932 (Teil III, Bd. 2.) S. 323.