Der Badeplatz in der Nähe vom Paradies

Dicht bei der Stadt, an ihrer mittäglichen Seite, liegt das Paradies, eine zwischen Buchenhecken, Linden und wilden Kastanienbäumen angelegte Promenade, auf einer kleinen Wiese, die gegen Abend von den Garten der Vorstadt, gegen Morgen von der Saale, die hier in ihrem vollen Strome fließt, eingeschlossen ist. Dieser besonders in der Zeit der duftenden Lindenblüte erquickenden Spaziergang gewährt die schönste Ansicht des Hausberges, der auf dem gegenüberliegenden Ufer ganz in seiner vesuvischen Gestalt über den Gebäuden der Schneidemühle und einem herrlichen, baumreichen Wiesengrund emporsteigt; eine Gegend, die man, wenn sie vom Frühling geschmückt ist, wohl paradiesisch nennen mag. In der Nähe desselben ist der Badeplatz, den das vorliegende Blatt bezeichnet. Man blickt hier, wie auf dem vorigen, den Strom hinab, also nach dem Paradiese hin. Der Hausberg wird durch die Baumgruppe rechter Hand völlig verdeckt, und nur sein Nachbar, der Jenzig, tritt, als wenn er der einzige Berg um Jena wäre, seinem ganzen Profil nach hervor. Von der Saale erscheint wieder bloß ein Arm, und zwar diesmal der kleinere, der etwas weiter herauf durch das zweite Wehr des Flusses bei der Rasenmühle abgeleitet worden, und sich gleich hier wo er vom Gebüsch verdeckt ist, am oberen Eingang des Paradies, wo zugleich der Leutrabach quer von der linken Seite hinzukommt, sich mit dem Hauptarm wieder vereinigt. Die Insel, die der Strom dadurch macht, ist also von weit kleinerem Umgang als die, welche er weiter unten am Ende des Paradieses bildet, wo er sich bei der Schneidemühle, wie schon erwähnt, abermals teilt, aber nicht weniger angenehm durch ihre reizenden Aussichten und vollaubigen Baumpartien, von denen sich hier noch eine einzelne zeigt.

Das Vergnügen des Badens ist freilich in dem großen Saalebette ungleich ergötzlicher als in der engen trübfließenden Mühllache, aber da es schon manchen Jüngling in der buhlerischen Flut des Stromes, wie Goethes armem Fischer erging so wählen sich die meisten, die nicht ebenfertige Schwimmer sind, diesen Ort, der, wie die im Wasser durchgehenden Figuren zeigen, freilich sicherer ist.

Was in dem Naturfreund aber werth macht, ist die ungemein pittoreske Durchsicht, die man von der Stelle erhält, an welcher der Zeichner sich befand. Zu beiden Seiten des Wassers dichte dunkle Baumgruppen im Vordergrund, die den Blick auf das lichtere Grün fernerer Gebüsche und Wiesenbäume öffnen, in denen sich liebliche einzelne Gartenhäuser verstecken, und über welchen nun der Jenzig in seinen ganzen Umriss frei hervorragt. Dieser Berg ist einer der Interessantesten der ganzen Gegend. Sein hoher Fuß, mit dem er, wie der Hausberg, bis an die Saale vorgeht ist an der südlichen Seite, mit der er sich hier präsentiert, fruchtbar mit Getreide, Obst und Wein bebaut, wodurch er auffallend mit dem dürren, steilen Kalkgipfel contrastiert, der von Wasserfurchen wie von Lavaströmen durchrissen ist, und an dessen Abhang sich schräg über den ganzen Berg hin sich ein schmaler Fußsteig zwischen einer Regenfurche und den Hecken der umliegenden Weinberge heraufzieht. Auf seiner Mitternachtsseite ist er dagegen mit einem majestätischen Kiefernwald bedeckt, der sich weit in den jenseitigen Thalgrund herunter verbreitet, und von dem sich auf den sonst kahlen, nur mit wenig niedrigen Wacholdergebüschen bekleideten langen Rücken noch der Anfang zeigt. An seinem hinteren Ende wird er mit dem Hausberg verastet, vor aber erhebt er sich mit einer malerischen eckigen Kuppe von entblößten Gipsklippen, unter der er mit scharf abgedachter Kante nach der Saale herabgeht. In der Zeichnung erscheint diese Figur des Berges vollkommen nach ihrer Eigentümlichkeit aufgefasst, so wie in den verschiedenen Bäumen des Vorgrunds jeder einzelne genau in seinem Charakter behandelt worden ist.