Jenaische Zeitung
31. Mai 1929
Eröffnung des Stadtbades Jena-Lichtenhain
Morgen Sonnabend, den 1. Juni, wird das Stadtbad Jena-Lichtenhain, wie schon
angekündigt, eröffnet, nachdem in der kurzen Zeit nach den langen Wintermonaten
viele Hände emsig geschafft haben, um die Umgestaltung soweit fertigzustellen, als es
eben möglich war.
Es ist gelungen, die bis unterhalb der Böschung liegenden, dem eigentlichen Baden
vorgesehenen Einrichtungen
betriebsfertig der Öffentlichkeit übergeben zu
können, nur kleine Umgrenzungen von Ansaatflächen, welche erst noch einen
Rasenteppich erhalten wollen, beschränken die Bewegungsfreiheit um Kleinigkeiten.
Man hat aber schon jetzt den Eindruck einer
großzügig gelösten
Aufgabe, welche das offenbar Mögliche aus den gegebenen Verhältnissen
geschaffen hat. In Ergänzung des bereits in der Dienstagsausgabe erschienen Artikels
sei darum noch folgendes angefügt.
Das noch im Bau befindliche
Verwaltungsgebäude mit Erfrischungsraum sowie
die
zweite Auskleidehalle mit Männerabort und Fahradaufbewahrungshalle sind
durch einen provisorischen Zaun von dem jetzt freigegebenen Gelände getrennt.
Verfügbar sind zu Auskleidezwecken die große, im vorigen Jahre errichtete
Auskleidehalle, für etwa 1000 Personen ausreichend, außerdem die in
gefälligen Formen und zweckmäßig umgebauten offenen Hallen
für 5-600 Kinder am Nord- und Südende, welche, obwohl ihnen der geplante
farbenfreudige Anstrich noch fehlt, einen guten Überblick der Fläche bieten.
In die etwa 10 000 Quadratmeter große Wiesenfläche sind für einen modernen
Badebetrieb erforderlichen Anlagen eingebaut. Vot allem fällt auf das im
Südwestteil gelegene Planschbecken, 30x15 Meter groß, etwa 200 Kubikmeter Wasser
fassend, welches von der Saale aus etwa 1 Meter hoch elektrisch angepumpt wird und in vier
Stunden gefüllt werden kann. Durch seine gering abfallende Tiefe von 20 auf 60
Zentimeter Wasserstand ist keinerlei Gefahr vorhanden, und es wird sich sicher bald
größter Beliebtheit bei unseren Kleinen erfreuen. Zwei Sitzbohlen und ein
Sicherheitsgeländer umschließen das Becken. Als besondere Freude werden die
Gummitiere (Krokodil und Schwan) in für Jenaer Verhältnisse großen
Ausmaßen, welche die Verwaltung darin zu Verfügung stellt, von den
Kleinen empfunden werden. Hoffentlich wird trotzdem darum sicher entstehenden Kampfe eine
pflegliche Behandlung durchgeführt!
Eine 4 Meter hohe geschweißte Rutschbahn mit Brause und Annäßvorrichtung
sowie ein Sprungerüst (3 Meter Stern=Stahl=Normal=Sprungbrett und 1 Meter Brettern
ebenfalls mit Brause) sind für die Schwimmkundigen vorgesehen. Außerdem ist für
Sportschwimmer eine 15 Meter breite und genau 50 Meter lange Übungsbahn abgegrenzt
und dürfte wohl bei der fast stromfreien Lage auch den von dieser Seite gestellten
Ansprüchen zunächst genügen. Sechs Aussteigeleitern mit anschließendem
Steg erleichtern das An-Land-gehen. Als Schwimmlehrbecken und für Nichtschwimmer
ist das von Schwimmzylindern getragene Floß auf 30x6 Meter erweitert und mit breiten
Umgängen versehen worden; durch seine Verschiebung nach der Südgrenze ist
gleichzeitig der Abschluss der Badestrecke nach dieser Seite gegeben und der eingelegte
Ableitungsbalken hält die darunter liegende Fläche sauber.
Die nunmehr 200
Meter lange, den Badenden zur Verfügung stehende Flußstrecke, in welcher durch
Bojen nach außen die Grenze zwischen Badenden und Bootsverkehr markiert werden
sollen, dürfte auch bei Massenandrang genügend Raum bieten.
Vor der
Auskleidehalle sind neu eingebaut zwei Wasserleitungsduschen mit genügend großen
Becken, welche die Fußwaschbecken gut ergänzen.
Der Frauenabort erfüllt
selbst die hochgespanntesten hygienischen Ansprüche mit seinen 4
Wasserspülklosetts, Klärgrube und Anschluss an das städtische Kanalnetz.