Jenaische Zeitung
28. Mai 1929

Vom Lichtenhainer Bad

Wenn wir bereits mitteilen daß die Eröffnung des Lichtenbainer Bades auf Sonntag, den 2 Juni festgesetzt sei, so ist die geplanten Erweiterungsbauten noch nicht vollständig vollzogen sind. Das noch nicht fertige Verwaltungsgebäude und das neue für Kleiderräume bestimmte Haus sind natürlich von der Inbetriebnahme ausgeschlossen. Nach vollständiger Fertigstellung wird das Verwaltungsgebäude mit der Wohnung des Bademeisters den Mittelpunkt der ganzen Badeanlage bilden. Nach beiden Seiten des Verwaltungsgebäudes, in dem je nach Bedarf mehrere Kassenstelle eingerichtet werden, schließen sich je eine Umkleidehalle für Mäner und für Frauen an. Diese werden nach dem Nürnberger zur Benutzung für je 1000 Personen eingerichtet. Außerdem sind noch zwei lange Kleiderhallen mit 8 bzw 10 offenen Abteilungen fertiggestellt,so daß nach Vollendung der Gesamtanlage das Bad von 3000 Personen gleichzeitig benutzt werden kann. In Arbeit befindlich ist noch ein Unterstellraum für 180 Fahräder. Bemerkenswert sind auch für Kinder bestimmte Neueinrichtungen: ein Sandbad und ein Planschbecken. Beide sind in Beton von der Firma Herrmann Weber jun. ausgeführt.

In einem am Saaleufer errichteten hübschen kleinen Häuschen mit ringsum laufenden Fenstern ist eine Motorpumpe angebracht, die das Planschbecken mit dem Wasser versorgt. Dieses kann durch eine Rohrleitung wieder in den Fluss abgeleitet werden. Das Häuschen dient zugleich als Unterbringung von Beobachtungsposten, da man von hier die ganze Badeanlage überblicken kann. Diese findet ihre Vervollständigung durch einen Sprungturm mit Normalsprungbrettern und einer Wasserrutschbahn. Das Nichtschwimmerbecken ist auf 9x30 Meter erweitert worden. Ringsrum läuft ein 3 Meter breiter Gang. Für die Abortanlagen des Bades wird ein Anschluß bis an die südliche Kanalisation von der Firma Karl Hübscher hergestellt. Die Gesamtanlage wird nach dem Burgenauer Weg durch eine von Betonsäulen getragene Bretterumzäunung abgeschlossen. Die ersten werden von German Xanis, letztere von Günter geliefert. Der Eingang zum Bade wird jetzt natürlich durch das Verwaltungsgebäude erfolgen.

Der Entwurf der Anlage stammt von der Neubauabteilung des Stadtbauamtes, in deren Händen auch die Bauleitung ruht. Außer den genannten Firmen sind beim Bau noch beteiligt: die Bauhütte Jena G.m.b.H. (Maurerarbeiten und Lieferung von Tischlerarbeiten, wie Bänken und Garderobehaltern); Max Schütze und Wilh. Giese jun., beide für Zimmerarbeiten; Rich. Süß jun. für Dachdeckerarbeiten; B. Schnerr für Glaserarbeiten; Bernhard Wittich für Klempnerarbeiten; Karl ... für Tischlerarbeiten. Die Fußbodenplatten liefert Johann Hermann Trebitz Nachf. Inh. K. Stephan.
Durch die Erweiterung des Lichtenhainer Bades wird eine Musteranlage an fließendem Wasser geschaffen, die jeden Vergleich mit den Badeeinrichtungen anderer Städte aufnehmen kann und durch die herrliche Aussicht über das grüne Buschwerk und die Wiesen des jenseitigen Ufers auf die Kernberge nur gehoben wird.