Kurzportrait
Wolfgang Hahn wurde im Jahre 1914 in Jena-Nord geboren. Er konnte uns eine Menge interessanter Sachen über die Saalebäder berichten. Herr Hahn war am Anfang des 2. Weltkrieges in Jena, musste dann aber an die Front. Am 8. Mai 1945 (Kriegsende) wurde er von den Amerikanern in Gefangenschaft genommen. Er wurde jedoch nach wenigen Wochen wieder entlassen. 1945 wurde er mit seiner Familie in die Sowjetunion gebracht, wo er in einer Fabrik für die Herstellung von Kameralinsen arbeitete. Dort musste er 6 Jahre lang bleiben. 1951 kehrte er nach Jena zurück. Heute lebt er als 88-jähriger Rentner in Jena.
Die Geschichte mit dem Finger anhören
"Sie haben also als Kind in der Saale gebadet!?"
"Ja, ich habe oft in der Saale gebadet."
"Und in welchem Bad?"
"Also wir waren sehr oft im Griesbad. Allerdings haben wir auch oft 'schwarz' gebadet. Nördlich von der Schillerpassage, welche früher natürlich noch nicht da war, ging ein Steg bei der Saale rüber. Da hat man eine sehr schöne Aussicht gehabt. Und da war so ein Art Zaun, eine Bretterwand, so dass man sich nicht hinlegen oder Ballspielen konnte. Da sind wir dann unten ins Wasser rein, sind rüber geschwommen auf die andere Seite, wo jetzt die Schillerpassage ist - da haben wir uns ein paar Plätzchen gesucht, wo man sich hinlegen konnte. Das war zu der Zeit, wo ich noch in der Grundschule war. In der oberen Schule dann, mussten wir durch die ganze Stadt laufen, jeden Tag.
Dann sind wir später umgezogen und sind dann in ein anderes Bad gegangen - auch ein Saalebad. Später bin ich dann in die Oberrealschule gekommen und da mussten wir Pflichtschwimmen machen. Und diese Schwimmstunden wurden dann im Volksbad abgehalten. Wir mussten uns dann 'frei schwimmen' - wie sich das früher nannte.
Und dann, eines schönen Tages, waren meine Eltern in Lichtenhain und dann bin ich dort auch mal baden gewesen. Da war noch überhaupt nichts da und Jenapharm war der Gastwirtschaft verpflichtet und dann bot sich diese Rasenfläche an. Neben der Rasenfläche war als erstes das Bootshaus von Zeiss. Das Bootshaus hat uns alle erstmal angezogen."
"Wann war das ungefähr?"
"Das muss so in den Zwanziger Jahren gewesen sein."
"Können sie sich noch ungefähr an die Preise in den Bädern erinnern?"
"Das müssen so unter einer Mark gewesen sein - vielleicht 20 Pfennig oder so. Das weiß ich wirklich nicht mehr.
In diesem Bootshaus habe ich auch meine Freundin kennengelernt. Und wenn man um das Bootshaus herum ging, da war da so ein Steg, da konnte man umsonst ins Wasser reinhüpfen. Naja, und dann fing das dann alles an. Dann haben sie Kinderbecken, also Planschbecken gebaut und dann bauten sie so eine Rutsche in die Saale rein. Mein Lehrfreund, der geht so die Rutsche hoch, rutscht runter und wie er unten im Wasser ankommt, da schreit er und da war sein Finger noch oben. Das wurde dann natürlich auch ziemlich schnell abgestellt.
Mein Freund hat sich dann also an diesem Geländer festgehalten, was ähnlich wie ein Keil verlief und blieb mit dem kleinen Finger hängen.
Ja, in dem Lichtenhainer Bad hat sich auch immer die Jugend getroffen. Das war eigentlich immer sehr nett. Und später konnte man dann im Lokal auch essen."
"Und gab es zu dieser Zeit auch schon diese Schwimmkästen?"
"Ja, die Schwimmkästen waren normal, die gab es in jedem der Saalebäder. Der schönste Schwimmkasten war direkt unten an der Brücke gewesen. Da war so ein Podest und da konnte man vom 3-Meterbrett reinspringen. Das war auch gut. Dann war da noch die Lache: Also das ist so gewesen, wenn man von Lichtenhain gekommen ist, dann ist man über die Bahngleise rübergegangen und ist zum Lichtenhainer Bad gekommen. Dann konnte man ein Stück an den ganzen Bootshäusern langlaufen und dann ging es wieder über die Gleise zum Felsenkeller und dann konnte man auf der anderes Seite lang laufen. Da war dann das Wehr vor der Paradiesbrücke und das war früher hinter der Brücke. Und da war eine Möglichkeit, eine Öffnung, da konnten die Flößer durch. Und auf der anderen Seite ging durch den Bahndamm durch die Lache. Da wurde die Saale genutzt um über den Abfluss, verschiedene Fabriken zum Laufen zu bringen, also Strom zu erzeugen und so weiter
Manche sind dann mit den Flößern durch das Lichtenhainer Bad, durch das obere, kleine Wehr, durch das Eisrechenwehr und dann durch die Camsdorfer Brücke und dort waren sie dann am Griesbad.
Manchmal sind wir vom Lichtenhainer Bad rüber zum anderen Ufer und da sind so Kiesgruben gewesen und da sind wir aus Neugierde rüber geschwommen.
"Können sie sich noch an das Burgauer Bad erinnern?"
"Nein!"
"Haben sie als junger Mann auch in der Saale 'schwarz' gebadet?"
"Bis wir alle 10 Jahre alt waren haben wir schwarz gebadet. Das waren immer so interessante Ecken. Da ist man durch den Bahndamm gegangen, den sie 1910 gebaut haben. Das ist da, wo jetzt ungefähr die Schillerpassage ist. Und damit man rechts und links rumlaufen konnte, war der Bahndamm freigegeben.
Ich fand das ja als Kind immer interessant, in diese Holzkisten rein zugehen. Und der schönste war da weiter unten beim Bahndamm. Neben dem Weg, der da lang ging, stand das Badehaus. Und an dm Weg waren die Umkleidekabinen. Dann kam ein kleiner freier Platz und dann war die Saale da. Auf dem freien Platz standen Liegestühle. Und dann in der Saale war dieses Schwimmbassin, da konnte man die Stufen rein gehen und das war für Nichtschwimmer. Das war eigentlich immer sehr schön. Man fühlte sich sicher, so barfuß."
"Haben sie in der Saale auch schwimmen gelernt?"
"Nein, aber das gab es auch. Man konnte auch in den Freibädern mit einer Stange schwimmen lernen."
"Und warum hörte man dann auf, in der Saale zu baden?"
"Na das Baden wurde dann verboten. Die Fabriken kippten dann eine Chemikalie nach der anderen in die Saale. Und die ganzen Zeissabfälle flossen dann so ungefähr hundert Meter weiter oberhalb der Brücke, an der Saaletalsperre ins Wasser, ohne dass sich jemand darum gekümmert hätte. Und dann war da eine Pumpstation und die pumpte das Saalwasser zum Forst hoch und vom Forst aus wurden dann die ganzen Duschen von Jenapharm und Zeiss mit Wasser versorgt, und da das Wasser nicht stark gefiltert wurde, kam dann das dreckige Wasser unten bei den Duschen an. Ein LKW voll dieser Abfälle wurde dann jeden Tag auf eine Müllwiese gebracht. Und das ist der Grund, dass heute keiner mehr in der Saale badet.
"Vielen Dank für das Interview."